Erfahrungsbericht eines werdenden Nichtrauchers: Abszesse, Hauttransplantationen und der Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhörenVorgeschichte
Ich bin jetzt seit ca. fünf Wochen rauchfrei, es geht mir dabei körperlich ganz gut, dennoch habe ich ein schwer zu beschreibendes Gefühl der Leere, fast eine Art Trauer, als wenn mir etwas fehlen würde. Jeder von euch kennt sicher das Gefühl, dass wenn etwas zur Routine geworden ist, die Zeit wie im Fluge vergeht und umgekehrt, dass wenn eine neue Situation eingetreten ist, es den Anschein hat, als würden die Sekunden extrem langsam vergehen. Und genauso fühle ich mich im Moment. Früher nie über das Rauchen nachgedachtFrüher habe ich kaum über mein Rauchverhalten nachgedacht, im Moment ist es noch ein wichtiger Aspekt meines Denkens. So versuche ich Fragen zu klären wie z.B. "Warum hast du mit dem Rauchen überhaupt angefangen?" oder "Warum hast du in der Vergangenheit nie einen ernsthaften Versuch unternommen, mit dem Rauchen aufzuhören?" Um die Fragen zu beantworten, warum ich mit dem Rauchen angefangen habe, ist relativ einfach, meine Eltern haben beide geraucht und die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren eine Zeit, in der das Rauchen fest in der Gesellschaft verankert war. Warum ich vorher niemals aufgehört habe, ist auch relativ einfach zu beantworten. Auf der einen Seite bildete ich mir ein, dass das Rauchen entspannt und eine Handlung ist, die genussvoll vollzogen wird. Auf der anderen Seite waren die körperlichen Einschränkungen noch nicht so weit ausgeprägt, dass sie mich zu einem Rauchverzicht hätten bewegen können. Abszesse, die fast nur bei Rauchern auftretenAber dann bekam ich an eine Reihe von Abszessen, die unterirdisch verbunden waren und eine Hautpartie dermaßen zerstört haben, dass mir in einer mehrstündigen Operation die zerstörte Haut entfernt, gesunde Haut entnommen, mit Hilfe von Mesh graft aufgearbeitet und an die betreffende Stelle transplantiert werden musste. Als ich während meines Krankenhausaufenthalts morgens auf dem Balkon vor dem Frühstück mit Genuss meine erste Zigarette rauchte, gesellte sich ein anderer ebenfalls rauchender Patient zu mir und meinte nach einiger Zeit zu mir "Du rauchst aber ziemlich viel." Taktvoll wie ich war, sagte ich nichts, innerlich war ich allerdings ziemlich sauer, ich genoss doch bloß diese Zigarette (und alle weiteren des Tages), ich war doch nicht abhängig. Der operierende Arzt und mein Hausarzt haben dann unabhängig voneinander bestätigt, dass diese Abszesse fast nur bei Rauchern auftreten. Ich beschloss, mit dem Rauchen aufzuhören. Aufgehört mit der Schlusspunkt-MethodeDa die Firma, in der ich beschäftigt bin, einmal im Jahr einen Nichtraucherkursus anbietet, habe ich mich dafür angemeldet. Der Kurs wurde von einem erfahrenen Nichtrauchertrainer des Vereins WAREG e.V. geleitet und seitdem bin ich rauchfrei. Auf STOP-SIMPLY habe ich mir zusätzlich viele Tipps geholt, z.B. über Nichtraucherliteratur. Vor allem die Selbsthypnose-Podcasts, die es zu den einzelnen Kurs-Schritten von STOP-SIMPLY gibt, haben mir sehr geholfen. Und wenn ich ein Rauchbedürfnis hatte, habe ich die Seite angesurft und es ging mir danach wieder besser. Das Rauchen beendet habe ich nach dem sogenannten Schlusspunktmethode. Meine letzten Zigaretten habe ich dabei rituell vernichtet und ebenso alle meine Raucherutensilien. Ich möchte noch auf die sogenannte Nikotinersatztherapie zu sprechen kommen (wieso eigentlich Ersatz, hier wird dem Körper auch Nikotin zugeführt), viele Experten lehnen diese Therapie entschieden ab, aber selbst wenn sie recht haben sollten, so bitte ich doch eines zu bedenken, das geklebte Pflaster hat zumindest bei mir zwei Effekte gehabt, zum einen konnte ich mich voll auf die psychische Abhängigkeit konzentrieren, weil die Folgen der physischen Abhängigkeit von der Nikotinersatztherapie zumindest gemildert wurden und zum anderen hatte uns unser Nichtraucher-Coach eindringlich davor gewarnt, während der Ersatztherapie zu rauchen, weil dann die Gefahr der Überdosierung bestanden hätte. Wen es interessiert, diese Therapie dauert drei Wochen, dabei wird das Nikotinpflaster wochenweise halbiert. In dieser Zeit ging es mir an drei Tagen jeweils im Abstand einer Woche noch schlechter als sonst, mir war kalt, ich war unkonzentriert und müde. Über diese Tage hinweg geholfen haben mir die Autosuggestions-CDs von Werner Eberwein und das Buch "Die Rauchgiftfalle" von Franz Wilhelm Bauer. Meister im Erfinden von AusflüchtenAus meiner Erfahrung wage ich die Behauptung, dass man nur dann von der Sucht wegkommt, wenn ein triftiger Grund vorliegt (es muss ja nicht gleich Lungenkrebs sein), ein Grund wie "Ich kann den Rauch nicht mehr riechen.", reicht m.E. nicht aus, denn warum soll mich auf einmal etwas stören, was mich 30 Jahre lang nicht oder nur zeitweise gestört hat. Außerdem entwickelt man sich in seiner langjährigen Rauchkarriere zu einem Meister im Erfinden von Ausflüchten, Scheinargumenten und Entschuldigungen, warum jetzt gerade diese eine Zigarette geraucht werden muss. Zum Schluss noch eine Bemerkung, die ich gerade am ersten rauchfreien Tag auf das Heftigste bestritten hätte, mit dem Rauchen aufzuhören ist gar nicht so schwer, viel schwerer ist es, damit nicht wieder anzufangen und Körper und Geist entsprechend zu konditionieren. Jetzt auf STOP-SIMPLY.de
Kommentare (Aktualisieren)Inspired by Webdesign Bodensee |
|