ErfolgsgeschichteWeitere Erfolgs-Geschichte von Gerda (27)
Wohl gefühlt habe ich mich mit dem Rauchen nie, ich fand meinen Geruch und den meiner Kleidung unappetitlich. Morgens mit einem Pelzbelag auf Bronchien und Stimmbändern aufzuwachen, habe ich schon immer gehasst. Ich habe mehrmals versucht aufzuhören, habe Verträge mit mir geschlossen und sie immer wieder gebrochen. Habe zu Gott gebetet, mich zum Nichtraucher zu machen, sehr halbherzig, nach dem Motto: Lass mich rasch erst noch 10 Kilo abnehmen, mein aktuelles Projekt erfolgreich beenden, den Familienstreit schlichten und danach Nichtraucherin sein – ach ja, und bitte mach es ohne mich zu stören, Amen. Im Juli war es dann soweit, ich fühlte mich rundum krank. Meine Luft reichte mit Mühe für die zwei Treppen im Büro, nachmittags nach einem kleinen Sprint zum Bus konnte ich schwarze Sternchen sehen und bekam weiche Knie. Die letzten Meter schleppte ich mich keuchend voran. Ich habe mich in Grund und Boden geschämt. Zuhause habe ich erst einmal alle Zigaretten weggeworfen, die Aschenbecher gespült und ganz nach hinten in den Schrank geräumt. Dann habe ich mich an den PC gesetzt um nach aufbauenden Seiten für zukünftige glückliche Nichtraucher zu suchen. Gefunden habe ich Vieles, aber wirklich an meinen Erfolg glauben konnte ich nur bei www.stop-simply.de, dem kostenlosen Nichtraucherprogramm von Dr. Lars Satow. Schlicht und unaufdringlich mit lebensnahen Tipps kam die Seite daher. Ich schrieb mir also auf meinem allerschönsten Briefpapier einen Brief mit meinen guten Gründen fürs Nichtrauchen, trug ihn zum Briefkasten, steckte mir keine Zigarette mehr an (ich hatte sie ein paar Stunden zuvor bereits weggeworfen) und arbeitete mich mit Freude weiter durch die Vorbereitungen auf ein gesünderes Leben. In den ersten drei Tagen ohne Nikotin ging es mir trotzdem nicht gut. Ich fror, ich schwitzte, meine Knochen schmerzten, abwechselnd hätte ich Heulen oder Brüllen mögen. Manchmal blieb mir vor Wut buchstäblich die Luft weg, im Büro bin ich dann zur Toilette geflüchtet und habe gewartet, bis ich mich wieder unter Mitmenschen wagen konnte. Zu Hause habe ich fast nichts mehr gesagt, aus Angst, meinen Mann so zu beleidigen, dass er nie wieder mit mir spricht. Nach der aggressiv-weinerlichen Phase begann die große Müdigkeit, ich konnte kaum die Augen aufhalten, schielte wie eine Eule einäugig auf wabernde, nichts sagende Zahlenkolonnen auf dem Monitor. Bei der zehnminütigen Zugfahrt nach Hause fielen mir die Augen zu, den Fußweg legte ich wieder einäugig zurück. Appetit auf eine Zigarette hatte ich nicht, Spaß am Leben allerdings auch nicht. Ich musste mich zwingen, abends eine Runde mit dem Hund zu gehen – den hat es allerdings nicht gestört, wenn ich müde, schlaff, schweigend und missmutig hinter ihm hertrottete, so konnte er wenigstens alle Kaninchenlöcher ausgiebig beschnüffeln. Ungefähr eine Sekunde am Tag blitzte jedoch so etwas wie Lebenslust auf – und ein ganz unbekanntes Gefühl von Hoffnung und Freiheit. Nach drei Wochen ohne Nikotin erlebte ich mein ganz persönliches Wunder: ich erwachte taufrisch und ausgeschlafen, konnte tief durchatmen und fühlte mich vom vielen Sauerstoff ganz kribbelig. Am Liebsten hätte ich die ganze Welt umarmt, habe mich jedoch auf meine zwei Hausgenossen Hund und Herrchen beschränkt und ihnen die frohe Botschaft verkündet, es gäbe eine glückliche neue Nichtraucherin im Haus. Mein Mann tat mir den Gefallen, sehr überrascht und hoch erfreut zu wirken – als wären ihm meine Stinklaune, die Hängebacken und mein hektisches Tippen im Nichtraucher-Forum verborgen geblieben. Aber ich weiß schon, weshalb ich ihn mir vor dreißig Jahren geschnappt habe. Jeden Abend habe ich mich auf die neuen Beiträge im Forum gestürzt, jeden Erfolg eines anderen mutigen Nicht-Mehr-Rauchenden mitgefeiert. Wenn ich mich selbst in die Erfolgsliste eintragen durfte, hatte ich das Gefühl, etwas unvorstellbar Gutes geschafft zu haben, selbst zu Zeiten, in denen mir noch die Ohren dröhnten und jede Zeile vor meinen Augen verschwamm. Vor einer Woche habe ich mir meinen Roku-Dan verliehen. Als Orden trage ich stolz meinen ungeöffneten Brief bei mir. Ich bin nun wirklich am Ziel, einen großen Teil habe ich selbst geschafft, einen anderen wesentlichen Teil habe ich Lars und Euch allen zu verdanken, die ihr mit mir gefeiert habt. Allen, die noch daran arbeiten, rate ich: Macht weiter, es lohnt sich – „allersehrst“! Jetzt...
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